Kriterienkatalog der DB

Kriterien für die Standortvorauswahl
Nach den folgenden Kriterien der Stufe 1 (Ausschlusskriterien) wird die Vorauswahl der Standorte getroffen. Standorte, die alle Kriterien erfüllen, werden dann detaillierter in der 2. Stufe untersucht.

  • Anbindung an eine zweigleisige, elektrifizierte Bahnstrecke
  • Maximal 500 Meter von einer Hauptgleistrasse entfernt
  • Mindest-Größe von 4,45 Kilometern Länge und 300 Metern Breite (parallele Variante) oder Mindest-Größe von 3,2 Kilometern Länge und 450 Metern Breite (orthogonale Variante) (Platzbedarf von ca. 35 bis 45 Hektar innerhalb dieser Flächenumfänge)
  • Lage außerhalb von Überschwemmungsgebiet
  • Höhenunterschied von weniger als 30 Metern zwischen ICE-Werksgelände und Hauptgleistrasse
  • Nicht im Bereich einer signifikanten Siedlung gelegen
  • Keine Gewässer 1. und 2. Ordnung oder schiffbare Kanäle kreuzend
  • Keine Autobahn kreuzend
  • Maximal 25 Kilometer vom Hauptbahnhof Nürnberg entfernt
  • Anbindungsstrecke mit ausreichender Kapazität für den Zugverkehr zum Werk
  • Flächenanteil bzw. Lage außerhalb von Naturschutzgebieten
  • Flächenanteil bzw. Lage außerhalb von Trinkwasserschutzgebieten

Kriterien für die Standortbewertung
Nach den folgenden Kriterien der 2. Stufe (zu gewichtende Bewertungskriterien) werden die möglichen Standorte in
den weiteren Untersuchungen bewertet.

  • Flächenanteil von Vorranggebieten an der Gesamtfläche
  • Entfernung von lärmempfindlichen Gebieten
  • Flächenanteil von Altlastenverdachtsfläche an der Gesamtfläche
  • Flächenanteil Natura 2000-Gebiet (FFH-/SPA-Gebiet) an der Gesamtfläche
  • Flächenanteil Bannwald an der Gesamtfläche
  • resultierende Verbote aus Artenschutz
  • Erholungsfunktion oder Infrastruktur für Freizeitnutzung
  • Flächenanteil wassersensibler Bereiche an der Gesamtfläche
  • Qualität der Anbindung an Straßennetz (Logistik)
  • Anteil der Fläche im öffentlichen Eigentum im Verhältnis zur Gesamtfläche
  • Flächenanteil empfindlicher Nutzung an Gesamtfläche
  • Flächenanteil von Gebietsschutz in Bezug auf Boden-/Flächen-/Kulturdenkmale (Archäologie) an der Gesamtfläche
  • resultierende Verbote aus Biotopschutz
  • resultierende Verbote aus Baumschutzsatzung
  • Bedeutung der Fläche für das lokale Klima
  • Flächenanteil Gebietsschutz Landschaftsschutzgebiet an der Gesamtfläche
  • Flächenanteil anderer Schutzgebiete an der Gesamtfläche
  • Flächenanteil von Vorbehaltsgebieten an der Gesamtfläche
  • Fläche der Neuversiegelung
  • Bodenfruchtbarkeit
  • Bedeutung der Fläche für das Landschaftsbild
  • Lage in Bezug auf B-Plan-Gebiete/städtebauliche Entwicklungen
  • Möglichkeit einer Drehfahrt (Gleisschleifen)
  • zweiseitige Befahrbarkeit und Gleisanbindung aller auf dem Werksgelände befindlichen Instandhaltungsobjekte

Einige Bemerkungen von H. Burmeister, dem Projektleiter der DB, zu den Kriterien:

Die Nähe zum Nürnberger Hauptbahnhof spielt für die Bahn eine zentrale Rolle, „denn hier beginnen und enden viele Fernverkehrslinien. Das Werk darf sich maximal 25 Kilometer vom Nürnberger Hauptbahnhof entfernt befinden und maximal eine 30-minütige Fahrzeit zum Hauptbahnhof aufweisen, sonst könnten wir keine Instandhaltung mehr durchführen, weil die Zeitfenster entsprechend kurz sind“.

Ein ICE-Werk muss an einer bestehenden Gleistrasse, die elektrifiziert ist, liegen. Außerdem brauchen wir eine Fläche, die mit 35 Hektar ausreichend groß ist. Ein Kriterium war auch, dass wir keine signifikanten Siedlungen überplanen und überbauen.

Auch einen topografischen Unterschied größer als 30 Meter darf es nicht geben, weil unsere Züge nur sehr kleine Neigungen fahren können. Des Weiteren darf das Gebiet nicht in einem Naturschutzgebiet nach Bundesnaturschutzgesetz liegen und es darf auch nicht in Trinkwasserschutzgebieten der Schutzzonen eins bis zwei liegen, weil es dann kein Baurecht geben kann“.

Weitere Kriterien werden untersucht, darunter die Qualität der Anbindung ans Straßennetz (Logistik), der Anteil der Fläche im öffentlichen Eigentum im Verhältnis zur Gesamtfläche, resultierende Verbote aus Biotopschutz und der Baumschutzsatzung sowie die Entfernung von lärmempfindlichen Gebieten. Hierzu lässt die Bahn schalltechnische Gutachten erstellen, die auch ins Raumordnungsverfahren einfließen werden.

Die sogenannten Makrophontests sind gesetzlich vorgeschrieben, jeder ICE muss einmal binnen eines Tages getestet werden, andernfalls dürften die Züge nur mit 80 km/h fahren. „Wir werden im Werk hupen müssen. Aber wir werden definieren, wo wir hupen. Diesen festgelegten Bereich werden wir mit Lärmschutzwänden einhausen und dafür sorgen, dass der Lärm (120 dB(A), Anmerkung der Redaktion) nicht mehr nach draußen dringt“, lautete Burmeisters angedachte Lösung des akustischen Problems.

Zum Thema Ausgleichsflächen: „Die in Frage kommenden Standorte sind in unterschiedliche Schutzgüter unterteilt, wir sind gerade dabei, die Flächen zu kartieren. Erst danach können wir den Kompensationsbedarf ableiten. Es ist ein ganz wichtiger Punkt, weil wir ohne Kompensation kein Baurecht erhalten werden. Deswegen ziehen wir das jetzt auch schon in die Raumordnung vor, in Form eines Konzepts. Genau auf Flurstück und Quadratmeter, das geht zum jetzigen Zeitpunkt nicht“.

Erst wenn sich im November konkrete Standorte herauskristallisieren, möchte die Bahn mit den Grundstückseignern in Verhandlungen eintreten, „immer mit dem Ziel, das in gegenseitigem Einverständnis hinzubekommen“. „Ein ICE-Werk ist ein Bauwerk des gesellschaftlichen Interesses. Wir tun was für die Gesellschaft. Spätestens mit Vorlage des Planfeststellungsbeschlusses hätten wir als Ultima Ratio die Möglichkeit der Zwangsenteignung. Das ist aber nicht der Weg, den wir gehen möchten.“

Quelle: nordbayern.de – ICE-Werk in der Region: „Zwangsenteignung als Ultima Ratio“

Zuletzt geändert am 14.06.2021 durch Manfred Wißmüller